Der Schicksal einer Familie – Zweite Teil – Brasilien

Der Neuanfang der Familie Hess in Rio de Janeiro war, ohne portugiesische Sprachkenntnisse, ohne Geld oder Hilfe reicher Organisationen, sehr schwer.
Ernst fing an als Seifeverkäufer an Wäschereien. Aus den Holzkisten, in denen die Seifenstücke geliefert wurden, hat er die ersten Möbel für die Familie gebastelt.
Irma fand Arbeit als Sekretärin in einer Firma, die deutschen Juden gehörte.
Später wurden Ernst und Irma Teilhaber eines kleinen Konfektionsunternehmens namens „lingerie Suissa“, das sie letztlich ganz kauften. Sie bezahlten es mit einem Faltboot, das Ernst aus Deutschland mitgebracht hatte. In diesem Unternehmen war Irma für die Verwaltung verantwortlich, und Ernst entwarf die Muster, war der Verkäufer, stellte die Schablonen für den Zuschnitt der Stoffe her und reparierte als Nottechniker die Zuschneide- und Nähmaschinen.

1943 ist Edgar, das erstgeborene Kind, auf die Welt gekommen, und am 05.05.1945 ist sein Bruder Walter geboren. Da am selben Tag der Sieg der Aliierten über Deutschland gefeiert wurde, hat die Groβmutter der Buben, Lotte, die bei der Familie lebte, einen Eiswagen auf der Strasse angehalten und jedem, der vorbei kam, ein Eis ausgegeben bis der Wagen leer war. So feierte sie das Ende des Krieges und die Geburt des Enkelkindes.

auch Walter ist da!
auch Walter ist da!
Irma mit Edgar 1944
Irma mit Edgar 1944

 

 

 

 

 

 

Das Haus, in dem die Familie Hess lebte als die Kinder klein waren, befand sich auf einem Hügel, und die Wasserleitungen hatten nicht genügend Druck, um das Haus zu erreichen. Immer erst mitten in der Nacht kam Wasser bis zu einem Hahn, der 150 Meter entfernt lag. Das Ehepaar ist jede Nacht mit Eimern zum Wasserhahn gegangen, um Wasser für den nächsten Tag zu holen.

Edgar, ein sensibles Kind, wurde immer von den anderen Kindern des Wohnviertels als Deutscher oder Ausländer gehänselt, obwohl er in Rio auf die Welt gekommen war. Diese Erfahrung sollte ihn bei seinen Beschlüssen für die Zukunft stark beeinflussen. Als Jugendlicher ist er einer jüdisch-zionistischen Jugendorganisation beigetreten und beschloss 1965 nach Israel auszuwandern und zwar in einen Kibbutz im Süden des Landes: Bror Chail.
Irma und Ernst mussten ihr Unternehmen schliessen, weil es nicht mehr wirtschaftlich war und beschlossen 1967 auch nach Israel auszuwandern. Walter blieb alleine in Rio de Janeiro.
So fängt eine neue Phase im Leben des Ehepaars Hess an.

 Auf dem Weg nach Israel 1967

Auf dem Weg nach Israel 1967
Leztes Jahr in Brasilien mit Walter
Leztes Jahr in Brasilien mit Walter

 

 

 

 

 

Fortsetzung folgt

 

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