Das Schicksal einer Familie – Erste Teil – Deutschland

Mein vollständiger Name ist Silvia Nirnstein-Hess. Nirnstein ist mein Mädchenname, und Hess ist der Nachname meines Mannes. Dieser Artikel handelt vom Schicksal seiner Familie.

Die Eltern meines Mannen kamen aus Frankfurt am Main in Deutschland. Seine Vorfahren lebten seit Generationen in Deutschland. Auf Seiten seines Vaters, Ernst Hess (1903-1989), gibt es Urkunden, die beweisen, dass dieser Familiestrang mindestens seit dem 17. Jahrhundert in Deutschland lebte.

Irma als junges Mädchen
Irma als junges Mädchen
Ernst mit Schwester Marianne
Ernst mit Schwester Marianne
Familie Jssac mit der neuegebornen Irma
Familie Jssac mit der neuegebornen Irma

 

Mütterlichseits weiß man, dass die Familie des Vaters von Irma (Jsaac) Hess (1906 – 2003), Albert Jsaac, sehr entfernte Wurzeln in Portugal und Holland hat. Albert Jsaac war im Textiliengeschäft seiner Familie tätig, das mitten in Frankfurt, in der Schäfergasse, lag. Das Schicksal wollte es so, dass eine seiner Freundinnen schwanger wurde. Seine Eltern verlangten von ihm, das Mädchen, sie hieß Ursula, zu heiraten, obwohl sie keine Jüdin war. Aus dieser Verbindung kam das erste Töchterchen auf die Welt, Else. Ursula fühlte sich vom Judentum angezogen und beschloss zu konvertieren. Die zweite Tochter, Irma, ist daher als Jüdin auf die Welt gekommen (nach jüdischem Gesetz ist jedes Kind einer jüdischen Mutter jüdisch).

Ursula und Albert Isaac
Ursula und Albert Isaac
Emil und Lotte Hess
Emil und Lotte Hess

 

 

 

 

 

Irma lebte in einem Deutschland, das gerade tragische Momente seiner Geschichte durchlebte: den Ersten Weltkrieg, die Inflation, und den sich abzeichnenden Zweiten Weltkrieg. Sie war als Buchhalterin tätig und immer mit dem Judentum verbunden.
Ernst kam aus einer wolhabenden Familie und war ein sehr verwöhntes Kind. Er hat Sport getrieben und besaß ein Geschäft für Sportartikel: „SportHess“. 1938 lernten sich Irma und Ernst kennen und lieben. Diese Beziehung wurde im Oktober des selben Jahres unterbrochen, als Ernst ins KZ Dachau gebracht wurde. Der Gestapo-Offizier, der ihn abgeholt hat, sagte seinen Eltern, dass er, wenn sie schnell ein Visum zur Auswanderung in ein anderes Land bekämen, freigelassen werden könnte.
Seine Schwester, Marianne, die schon nach Brasilien ausgewandert war, hat nach enormen Bemühungen das Visum für die Familie bekommen. Im Januar 1939 wurde Ernst mit der Auflage aus Dachau entlassen, Deutschland innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Sofort verliess er das Land in Richtung England, heiratete Irma durch Prokuration am 19.01.1939 und wartete dort auf seine Familie.
Ernsts Groβmutter väterlicherseits, Bertha(1847-1939), war zu dieser Zeit über 90 Jahre alt und bekam kein Visum. Da sie wusste, dass die Kinder sie nicht allein zurücklassen würden, nahm sie sich das Leben. Irmas Vater erlag 1936 einer Krankheit. Ihre Schwester Else war mit Karl Lust, der nicht jüdisch war, verheiratet.

Ernsts Geschäft: "Sport Hess"
Ernsts Geschäft: “Sport Hess”
Bertha Jonas Hess
Bertha Jonas Hess
Karl und Else Lust
Karl und Else Lust

Sowohl die Mutter Ursula wie auch Else waren für die Nazis Jüdinnen. Man schlug Elses Mann vor, sich von ihr scheiden zu lassen, und folglich einen hohen Posten in der Handelskammer zu bekommen. Karl Lust lehnte diesen Vorschlag ab und ist den Rest der Nazizeit mit Else und Schwiegermutter in einem Dorf in Deutschland untertaucht.

Ernst im Jahre 1939
Ernst im Jahre 1939
 Irma mit 24 Jahren

Irma mit 24 Jahren

Irma verließ Deutschland mit dem Schiff Kap Arkona. Im Ärmelkanal stieg Ernst, von einem Boot zum Schiff gebracht, zu, und sie fuhren nach Rio de Janeiro. Einen Monat später sind auch Ernsts Eltern dort angekommen.

Fortsetzung folgt…

 

 

 

 

 

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