Das Schicksal einer Familie – Dritte Teil – Israel

Nochmals mussten sie einen Entschluss fassen. Einen mutigen und sehr schweren!
Irma uns Ernst erreichten den Kibbutz Brir Chail, im Südwesten Israels, wo schon ihr Sohn Edgar lebte.

Sie fingen ein neues Leben an, mit über 60 Jahren. Sie ließen den Sohn Walter in Brasilien zurück, der mitten im Studium war, erreichten den Kibbutz und wurden mit einer ihnen völlig unbekannten Lebensart konfrontiert. Ein Land mit einem chaotischen Rhythmus, im Aufbau, in der Entwicklung und im Kampf um sein Dasein.

Nach 12 Jahren Kibbutz waren sowohl Irma als auch Ernst der Meinung: Die in Bror Chail verlebten Jahre waren die schönsten ihres Lebens.
Ernst wurde, mit seinem Sinn fürs Praktische, zum Verantwortlichen des „Tante Emma“ Ladens vom Kibbutz und brachte dort ständig Verbesserungen zu Stande, so dass der Laden bessere Dienste leisten konnte.
Irma war die Verantwortliche für die Freiwilligen, die für ein paar Wochen oder Monate in den Kibbutz kamen, um ihn kennenzulernen und um dort zu arbeiten.
Diese Freiwilligen kamen aus verschiedenen Ländern, und Irma war verantwortlich für ihr Wohlergehen.
Die meisten von ihnen wurden von Irmas ehrlicher und freundlicher Persönlichkeit gefesselt. Manche von ihnen haben bis zu ihren letzten Lebensjahren den Kontakt mit ihr gehalten.

Im Büro der Freiwilligen
Im Büro der Freiwilligen
In Tante Emmas Laden
In Tante Emmas Laden
Im neuen Wohnsitz - Bror Chail
Im neuen Wohnsitz – Bror Chail

Beide haben das Leben im Kibutz viel mehr beeinflusst und zu ihm beigetragen als die meisten anderen „Eltern“ der Gemeinschaft.
1978 beschließen Edgar und seine Familie den Kibbutz zu verlassen und ziehen in die nahegelegene Stadt Ashkelon. Aus diesem Grund mussten auch seine Eltern, den damalige Regeln des Kibbutz schwersten Herzens entsprechend, den Kibbutz verlassen.

Ernst in Ashkelon
Ernst in Ashkelon
Irma in Ashkelon
Irma in Ashkelon

 

 

Sie zogen nach Ashkelon. Noch mal ein neuer Anfang, in einer Stadt, in der sie keinen außer der Familie ihres Sohnes kannten. Und auch hier haben sie sich eingelebt.
Arbeiten mussten sie immerhin nicht mehr: Sie empfingen eine Rente.
1988 wurden sie vom Sohn Walter und ihrem Enkel Pablo besucht, zu Ernsts 85. Geburtstag.
In dieser Stadt habe ich sie kennengelernt, dort haben sie am 19.01.1989 ihre goldene Hochzeit gefeiert

Goldene Hochzeit
Goldene Hochzeit
Besuch von Walter und Enkelsohn Pablo
Besuch von Walter und Enkelsohn Pablo

 

 

 

 

 

 

 

Ernst, der krank war, gab sich große Mühe, die Feier zu geniessen. Zwei Monaten darauf starb er und wurde in Ashkelon beerdigt. Seine letzten Worte zu seiner Frau waren: Er habe ein glückliches Leben gehabt!!!

EPILOG
Irma beschloss, mittlerweile 82 jährig und am Erblinden, sie wolle uns nicht zur Last fallen.
Als in Frankfurt Geborene hatte sie das Recht im dortigen jüdischen Altenzentrum unterzukommen, und das hat sie wahrgenommen.
Im Juni 1989 haben wir sie ins Altenzentrum in Frankfurt am Main begleitet.
Sie hat ihr Leben mit diesem schweren Beschluss wieder in die eigenen Hände genommen. Es bedeutete nicht nur, dass sie entfernt von ihrer Familie leben würde, es bedeutete auch, in das Land, das sie wegen ihrer jüdischen Abstammung rausgeworfen und das ihr Leben bedroht hatte, zurückzukehren.

Als Irma 90 wurde, war unser Geschenk, Edgars Töchter, Edna und Yonit, nach Frankfurt zu bringen
Als Irma 90 wurde, war unser Geschenk, Edgars Töchter, Edna und Yonit, nach Frankfurt zu bringen

Sie lebte lieber weit von ihren Lieben als ihnen das Leben schwerer zu machen. Es war nicht leicht, und sie fühlte sich manchmal allein, obwohl Edgar und ich sie mindestens zweimal im Jahr besuchten und Walter aus Brasilien so oft er konnte.
Manche der deutschen Freiwilligen vom Kibbutz hörten, dass sie in Frankfurt war und besuchten sie oft.
Am 04. November 2003 starb Irma im Alter von 97 Jahren, einige Monate nach ihrer Schwester, die kurz zuvor ihren 100. Geburtstag gefeiert hatte. Irma war des Lebens müde, aber wurde bis zu ihrem letzten Tag geliebt und bewundert.
Es war eine Ehre und eine einmalige Erfahrung, sie kennen und an ihrem Leben teilnehmen zu dürfen

 

 

 

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